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Am 16. Januar 1908 war es eine Handvoll fortschrittlich denkender Landwirte in Backemoor, die

die Initiative ergriffen und Freude für die rationellste Verarbeitung der Milch um sich sammelten.

Ihr Beispiel machte alsbald Schule.

 


Das Molkerei Gebäude um 1915

Am 24. Februar kamen auch in Collinghorst einige Landwirte zur Gründung einer Molkereigenossenschaft zusammen. In den Gründungsprotokollen der beiden Genossenschaften heißt es fast übereinstimmend: „Nach Besprechung des Unternehmens und nach Beratung der Statuten erklärten sich die Versammelten für die Errichtung einer Genossenschaft mit der Firma >Molkerei Backemoor eGmbH< bzw. Molkerei-Genossenschaft >Eintracht< Collinghorst eGmbH einverstanden. In Backemoor wurden P. Bunger, I. Groenewold, B.L. Goudschaal und Wilke Grünefeld in den Vorstand gewählt. In Collinghorst waren es J. Hessenius sowie H. Straaten aus Collinghorst, J. Lünemann aus Schatteburg und H. Meyer aus Rhaude. Auch die Namen der Aufsichtsratsmitglieder sind in den Gründungsprotokollen festgehalten. Für die Molkerei Backemoor waren es Joh. Lühring, A. Busmann, R. D. Krämer, F. Boekhoff, B. H. Meyer und B. L. Hinken und für die >Eintracht< in Collinghorst B. Willms, H. E. Schulte, W. Sterrenberg, A. Gerdes, M. Christoffers und H. Junker. Bei zwei Molkereigenossenschaften auf einem räumlichen eng begrenzten Raum waren die wirtschaftlichen Voraussetzungen zwangsläufig nicht die allerbesten. Wären sich die Collinghorster und Backemoorer schon damals einig gewesen, den Gründern und späteren Genossen wäre sicher mancher Ärger erspart geblieben. So aber wurden fast zur gleichen Zeit zwei Betriebe gebaut, der eine in Collinghorst, der andere nur ein paar Kilometer weiter in Backemoor.


2 Tanks á 30000 Liter für Magermilch
befanden sich hinter dem Gebäude


In den folgenden Jahren wurden all die Schwächen und Fehler dieser Konzeption deutlich. Beide Genossenschaften erlebten in ihrer Geschichte zwar Höhepunkte, sie mussten aber auch durch manche Tiefen gehen. Die lange Namensreihe der Verwalter macht dies deutlich. Der erste Molkereiverwalter in Backemoor war H. Ahrens. 1920 wurde er von H. Kronenberg abgelöst, dann folgten Steffen, Lau, Janssen und ab 1949 Joh. Malchow. Dieser übernahm einen völlig abgewirtschafteten Betrieb, den er im Laufe der Jahre in ein gesundes Unternehmen umwandelte. In Collinghorst hieß der 1. Verwalter Eggers, dann Knigge, M. Schulz, Dechow und ab 1931 W. Reinke. Dieser übernahm ebenfalls einen Betrieb mit hohen Schulden
– die Molkerei sollte sogar verkauft werden – und auch er verstand es ebenso, in all den Jahren die Collinghorster Molkerei finanziell gesund und leistungsfähig zu machen.


Betriebsraum im Jahre 1983 mit einer selbstentschlammenden Zentrifuge
nebst Erhitzungs- und Kühleinrichtung für 15000 Liter Milch je Stunde


Am 31.1.1973 übernahm Walter Reinke jun. Den Betrieb in Collinghorst und versuchte noch im selben Jahr in Zusammenarbeit mit allen Organen beider Betriebe eine Fusion, die jedoch an 31 Gegenstimmen scheiterte. Ein Jahr später stand die Fusion der Molkerei Backemoor und Collinghorst erneut zur Debatte. Und diesmal waren die Befürworter in der Überzahl. Am 4. Februar 1974 wurde der Zusammenschluss bei nur sechs Gegenstimmen beschlossen. Damit begann eine neu Ära in der Geschichte der nunmehr vereinigten Betriebe. Bis zum September wurde in Collinghorst gearbeitet, dann aber der gesamte Betriebsablauf nach Backemoor verlagert, wo inzwischen technische und bauliche Veränderungen die Voraussetzungen für die wirtschaftlich beste Verarbeitung der angelieferten Milch geschaffen hatten. Die Butterei war erweitert worden, Maschinen und Anlagen ergänzt und Einrichtungen aus dem Collinghorster Betrieb waren nach Backemoor verlagert worden.


Butterei mit 2 Rahmtanks á 10000 Liter Inhalt und der
Butterungsmaschine "Westfalia" mit einer Stundenleistung von 1500 kg


Ein weiter und wichtiger Schritt auf dem Wege der Rationalisierung wurde 1974 mit der Umstellung des Milchtransportes vollzogen. Bereits am 1. September wurde ein erster Milch-Sammel-Tankwagen eingesetzt, dem ein zweites Fahrzeug und schließlich zwei weitere Sammeltankwagen folgten, so das der gesamte Milchtransport aus dem weitläufigen Einzugsbereich mit vier eigenen Fahrzeugen die ein Gesamtfassungsvermögen von 3700 l hatten, schnell und reibungslos abgewickelt werden konnte.


Moderne Kesselanlage mit kombiniertem
Brenner für Öl und Gas


1988 schlossen sich die Molkerei-Genossenschaft Backemoor mit der Genossenschaft Ihrhove zusammen. Während die kaufmännische Verwaltung gleich nach der Fusion im Beginn des Jahres 1988 in Ihrhove konzentriert wurde, blieb die Molkerei-Filiale Backemoor zunächst in Betrieb. Im Herbst 1989 wurde schließlich auch die ganze Milchverarbeitung in der Backemoorer Molkerei eingestellt. Ein Laden für Milchprodukte, der im früheren Labor eingerichtet war, blieb bis im Jahre 1990 erhalten.
1990 wurde dann auch das ehem. Molkereigebäude an die Fa. Willi Busch (WIBU). Die Firma WIBU benutzte die Räumlichkeiten des Gebäudes für die Reinigung von Brandschäden an Polstermöbel usw. 2001 wechselte das Gebäude den Besitzer. Die Firma W. Meyer, Baugeschäft, Rajen nutzte die Räumlichkeiten zur Lagerung von Baugeräten und Baumaterialien benutzt. Aktuell ist das Molkereigebäude in Privatbesitz und beherbergt u.a. eine Selbst-Reparaturwerkstatt.


50 Jahre lange dienste der Ackerwagen als Transportmittel für die Milch.
Das Foto entstand im Jahre 1951 im Hintergrund ist die Backemoorer Windmühle zu sehen



Seit 1976 holen Fahrzeuge wie dieses die Milch vom Bauernhof ab.
Auf diesem Bild ist Herr E. Freese zu sehen.

 

Molkerei3

 

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